Manche Augenblicke sind für die kollektive Bewusstseinsbildung, für eine Betrachtung der Perspektiven und eine oftmals heilsame Hinterfragung günstig. Die Geschichte von Pink Lady® und der damit verbundene Geist, der uns auf dem Höhepunkt einer Krise geholfen hat, gemeinsam einen neuen Weg zu finden, kann uns über die Tatsache hinaus, dass der uns allen teure Apfel Hoffnungsträger und Garant des wirtschaftlichen Gleichgewichts ist, inspirieren: die Realität des Augenblicks erkennen, sie nicht erdulden, sondern analysieren, nach Instrumenten suchen, um ihre schädlichen Auswirkungen zu verringern oder neue Räume zu eröffnen, und dann mit Methode in Aktion treten.

Wir werden uns hüten, Lektionen zu erteilen, da unser Beruf sowohl große Bescheidenheit als auch Engagement erfordert, aber wir können einige unserer Überlegungen mit anderen teilen, die sowohl das Kollektiv als auch den Einzelnen betreffen.

Das Prognosfruit-Symposium, das Anfang August in Belgrad die europäische und internationale Obstbranche zusammenführte, war einer dieser Augenblicke. Angesichts der Zahlen, die aufgrund der allgemeinen Hitzewelle und der ausgeprägten Defizitmengen in China und den USA, die zwei Säulen des weltweiten Gleichgewichts bilden, letztlich hinter den ersten Ernteschätzungen zurückblieben, war die Stimmung der Delegationen, aus welchem Land auch immer, geprägt von besorgten Fragen. Zwischen der Inflationskeule, den Energiekosten und ihren Begleiterscheinungen, der nachlassenden Konsumdynamik nach dem durch das Ende der Lockdowns erfolgten Booster und den technischen und agroklimatischen Herausforderungen… konnte jeder die Schwierigkeiten ermessen, die es zu bewältigen galt.

Und das umso mehr, als einige der aus der Sicht der Akteure großen Zukunftswege ihre Grenzen aufweisen. Trotz der Kapazitäten aggressiver Preise kommen einige Produktionsgebiete, die nach einem Regen von Subventionen oder Kapitaltransfers wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, an die Grenzen ihres Marktzugangs, da der Weg nach Russland blockiert ist und die Hoffnung auf viele andere Destinationen zunichte gemacht wurde. Daher ist eine erste Abkehr von diesen Zielen zu beobachten, die auch ein erstes Zeichen für ein neues europäisches Gleichgewicht sein können. Die Fülle an Innovationen stößt auf gesättigte Regale und mangelnde Integrationsfähigkeit bei den Verbrauchern. Die von der Medien- und Politikbegeisterung getragene massive Produktionsumstellung auf Bio hat eine Nachfrageobergrenze erreicht und kämpft mit technischen Schwierigkeiten.

Eine zentrale Frage bleibt das Verhalten der Verbraucher, die um ihre Kaufkraft besorgt sind, und ihrer persönlichen Entscheidung für Früchte, die überall in den Medien als teuer dargestellt werden, obwohl sie eines der besten Kosten/Mengen-Verhältnisse aufweisen…

Die Hoffnung auf die Wiederherstellung eines besseren Marktgleichgewichts nach einem schwachen Saisonstart war jedoch durchaus präsent. Es herrschte der Eindruck vor, dass wir uns in einer entscheidenden Phase der Neubegründung der bislang gängigen Modelle befinden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist weder von Optimismus noch von Pessimismus die Rede, wobei die Frage der Energiekosten allerdings eine äußerst starke politische Mobilisierung sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene erfordert, um Sektoren der Nahrungsmittelressourcen, wie den unsrigen, zu schützen, die in einer unkontrollierten Kursökonomie geschwächt werden. Es geht darum, Grundlagen dafür zu schaffen, dass wir diese Art von Gegenwind nicht einfach hinnehmen müssen, sondern sie als Hebel für eine Neubegründung nutzen können.

Eine Herausforderung, die wir auf unsere gesamten Aktivitäten anwenden müssen:

  • Es gilt, die momentane Unsicherheit als eine Chance für gesellschaftliche Begegnungen zu begreifen, um durch das Risiko des Verlusts den Sinn der Herausforderungen für die Landwirtschaft, den Sinn des von ihr eingebrachten Wertes sowie den Sinn ihrer Fortschrittsdynamik zu beleuchten.
  • Die Benchmark-Werte aktualisieren, Handelskonstruktionen entwickeln, die den vom Erzeuger geschaffenen Wert integrieren und bis hin zur letzten Stufe tragen. Diese unverzichtbare Kenntnis der Wertschöpfungskette in Zeiten der Inflation sollte sich auf die Verpflichtungen zur gesellschaftlichen Verantwortung stützen können, die auch den Einzelhandel mobilisieren. Ein wesentliches Element der Nachhaltigkeit ist die Bewahrung der Produktionskapazität.
  • Mit dem uns nachgelagerten Sektor eine echte Neubewertung über den durchdachten Aufbau des Regals und die Beziehung zum Verbraucher anstoßen und diese umsetzen. Eine Mobilisierung, bei der die vorgelagerte Stufe ihre gesamte Verantwortung übernehmen muss.
  • Alle Fortschrittsmöglichkeiten ausschöpfen, verbunden mit einer echten Analyse der Leistungs- und Optimierungsreserven angesichts steigender Kosten, zunehmender klimatischer Unwägbarkeiten, des Drucks der gesellschaftlichen Erwartungen, aber auch der Entwicklungen im Bereich des Wissens und der Technik.
  • Förderung des erkannten Wertes, der Bereitschaft, etwas über den Preis hinaus zu kaufen und die Enttäuschung angesichts der Sorge der Verbraucher um ihre Kaufkraft und deren Auswirkungen auf den Konsum verringern. Diesen Verbraucherwert bei der Entscheidung für unsere Innovationen gilt es zu hinterfragen.
  • Stärkung der differenzierenden Werte und Beziehungen in den angestammten Märkten und Einsatz unserer Expertise in der Erschließung neuer Märkte angesichts der Neuausrichtung der Billiglohnländer zur Generierung von neuen Marktanteilen.
  • Aufbau von Kampagnen über einen längeren Zeitraum und sogar über mehrere Jahre hinweg, mit einer Komplementarität zwischen Verarbeitungsindustrie und Frischmarkt, ohne die Zwänge der ultraverderblichen Produkte, da sich unsere Produkte über einen längeren Zeitraum hinweg managen lassen.

Wir könnten noch weitere Überlegungen anstellen, aber ich habe das Gefühl, dass wir uns derzeit in einer Phase befinden, in der die Konstruktion unserer Apfelbranche einen reiferen Ansatz braucht. Eine Entwicklung, für die sich Pink Lady® seit 28 Jahren einsetzt und deren Steigerung ein integraler Bestandteil unseres Projekts Cap 2030 ist, mit dem Ziel, weiterhin als Marktscouts für unseren Apfel, aber auch für unsere Unternehmen und unsere Branche zu fungieren.

Durch die Einbeziehung der Verbindung zur Gesellschaft passt der Aktionsplan 2022/2023 mit einem fast rekordverdächtigen Wachstum gut in diese Logik. Wachstum, das wir weniger als Herausforderung denn als Gelegenheit sehen, unsere berufliche Dynamik mit der Unterstützung aller unserer Mitglieder und einer engagierten Marke zu entfalten. Eine Kampagne, die wir also mit Entschlossenheit, Vertrauen, Folgerichtigkeit und Ehrgeiz vorbereiten. Wir wissen, wie wichtig ihr Erfolg für jeden einzelnen Akteur ist.

Der Sinn von Wert besteht doch darin, sich zu fragen, was den Wert für unsere Erzeuger, die uns nachgelagerten Stufen, unsere Verbraucher und die Gesellschaft ausmacht und ausmachen wird, um mit zukunftsträchtigem Atem fortzufahren.

Was den Wert von Pink Lady® anbelangt, so hatte unser Freund Albert Giammattei, ein Pionier unter den Pionieren, eine sehr bildhafte Art, ihn zu definieren: „Pink Lady®, bringt Butter in den Spinat!”. Er verließ uns im Alter von 91 Jahren. Unser Apfel, den er als erster in Europa anpflanzte, erhellte den letzten Teil des beruflichen Werdegangs dieses außergewöhnlichen und großzügigen Apfelbauern. Wir werden nicht vergessen, was er für unsere Lieferkette geleistet hat, als erster Vertreter der Erzeuger im Vorstand der EFTA und noch mehr durch die Leidenschaft und den demonstrativen Enthusiasmus, die er vermittelte, als er seine wunderbaren ersten Obstplantagen für alle diejenigen öffnete, die sehen und wissen wollten. Wir haben seine Familie aufgesucht, um denjenigen zu ehren, der in den Augen seiner Enkelkinder Mister Pink Lady® geworden war.

Wir wünschen Ihnen allen eine gute Ernte!

Didier Crabos